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Eine Art Tagebuch
aus dem fernen Afrika. In unbestimmter Folge will ich hier stets das Wissenswerte für meine deutschen Freunde aufschreiben. Ich will hoffen, daß ich Euch alle noch gut im Gedächtnis habe. Und schreibt mir gern einmal, damit meine Erinnerung lebend bleibt - auch mein Gästebuch hofft auf Eure Beiträge.

2001/01/26
Ich möchte mich entschuldigen. Nun habe ich schon mehrere Monate nichts mehr von mir hören lassen. Seit dem vergangenen Oktober, hat sich so viel getan. Ich bin Vater geworden. Mein Sohn hat den Namen Toto Suxaba. Er wurde am 17. November geboren, ist stark, schreit kräftig und gedeiht wohl. Gott sei Dank! Das ist nun Grund genug für mich, viel Zeit in der Familie zu verbringen. Auch sonst sind die Zeiten nicht schlecht. Die Ermordung Kabilas hat nun zu ungewöhnlicher Ruhe hier in unserer grenznahen Region geführt. Das ist aber wohl nur eine Ruhe vor dem Sturm. Der Kongo ist und bleibt eine Gefahr für alle Nachbarstaaten.
Ergänzen möchte ich noch, daß ich im vergangenen Oktober auch im “Haus der Geschichte” war. Es ist unvorstellbar, daß ein Land, das ich nur in Friede und Wohlstand kennengelernt habe, vor nur 50 Jahren in Schutt und Asche gelegen hatte. Das gibt mir immerhin die Hoffnung, daß mein Sohn in unserer Heimat solche Zeiten noch erleben könnte.
Diese Assoziation ist - das räume ich ein - nicht völlig stichhaltig. Wir leben hier in relativem Frieden und persönlich in annehmbarem Komfort. Aber die Gefahr ist stets nicht fern.
Ich muß nun an einen deutschen Schriftsteller namens J.P.Hebbel denken, der es noch als unumgänglich ansah, daß der Mensch mit dem Kriege Erfahrung sammelte. Er schrieb so etwa (ich kann die Stelle leider nicht finden), daß es doch wirklich genüge, daß ein Mensch einen Krieg miterleben müsse.Aber mehr als einer sei wirklich nicht zumutbar. Mein Sohn möge den echten Frieden kennenlernen.

2000/10/16
Mit meinen deutschen Gastgebern habe ich die Weltausstellung in Hannover besucht. Die Ortbestimmung “Hannover” ist eigentlich nur wichtig, um den Weg dorthin zu finden. Das Ausstellungsgelände liegt weit ausserhalb, so daß ich über Hannover wirklich nichts sagen kann. Die Ausstellung steht einfach für sich allein, sie hätte auch auf dem Mond sein können. Es hat mir sehr gut gefallen. Unser Interesse galt vor allem den Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas. Warum ich ausgerechnet die Präsentation meines Kontinents besucht habe? Einmal war ich neugierig, wie Afrika sich für die Welt darstellt, zum anderen hatten auch meine Gastgeber großes Interesse an Afrika. Möglicherweise nicht zuletzt durch die Bekanntschaft mit mir. Was kann ich zusammenfassend sagen? Europa zeigt sich nachdenklich und das ist nicht so spannend für die Besucher. Südamerika gibt sich mit überlegender Lebensart. Asien ist mir stets fremd und unergründlich. Und mein Afrika: eine Ansammlung von Folklore. Während man in Südamerika mit der untechnischen, bäuerlichen Vergangenheit koketiert, diese als Teil der eigenen Vergangenheit zitiert und heraufbeschwört, in Asien mit der alten Tradition der Wissenschaften die eigene Stellung in der Weltfamilie beweist und stolz von den Errungenschaften eigener Raumfahrt und Computertechnik berichten kann, hat man in Afrika fast nichts zu zeigen als Trommeln, bunte Perlen und Träume von grünen Wüsten. Einige größere Nationen, wie Nigeria und natürlich die Mittelmeeranrainer und Südafrika heben sich da noch heraus. Der Tiefpunkt war für mich die Zentralafrikanische Republik. Man hatte mit grünen Pflanzen einen Dschungel angedeutet, und darin stand ein Holzschnitzer und zeigte sein langsames Handwerk.
Von meinem Besuch der Expo habe ich viele Fotos mitgebracht:

Expo allgemein

Afrika

Asien

Südamerika


  
Gelegentlich sieht man auf den Fotos auch meine Gastgeberin und deren Kinder. Es ist als Anerkennung gemeint.

2000/10/01
Ich bin zu Besuch in Deutschland. Meine Praxis hab ich in die guten Händen eines jungen Kollegen gegeben. Gestern haben wir bei Meggi ein schönes Fest gefeiert. Hier sind Bilder davon. Ich werde noch fast 2 Wochen bleiben. Auf jeden Fall werde ich noch zur Expo 2000 fahren, und das Haus der Geschichte in Bonn will ich auch besuchen. Mehr davon demnächst.

2000/08/07
Ich hatte mich nicht abgemeldet. Ich war eine Woche in Italien. Ein wunderschönes Land. Die Wiege der Kultur. Ich habe Fotos gemacht. Ihr findet sie unter Postkarte. Denn auch diese Fotos darf man als Postkarte an Freunde verschicken. Ich danke meinem Freund Matroid für die außerordentliche Hilfe, die er mir beim Erstellen der Webseiten geleistet hat.

2000/07/31Segler am Ruwnasee (Klick=Postkarte senden)
Das neueste aus meiner Software-Praxis: Klicke auf ein Bild, das Dir gefällt, und sende es als Postkarte an einen Freund.
Ich verspreche in den nächsten Tagen noch alle Texte ins Deutsche zu übersetzen.





 

2000/07/30
Ich bin erschüttert über das Bombenattentat in Düsseldorf. Wer führt denn da Krieg gegen wen? Es gibt doch wirklich keine Not in Deutschland, die jemanden dazu bringen müßte, das zu tun. In einer hiesigen Zeitung wurde gestern darüber berichtet. Daraufhin habe ich die Online-Ausgaben einiger deutscher Tageszeitungen gelesen. Man weiß also noch gar nichts. Eine westdeutsche Zeitung stellte ihren Bericht vom Freitag unter die Schlagzeile “Alle Opfer Ausländer”.Das empfinde ich schon als mehrdeutig. Das falsche Denken kommt vor der Tat.

2000/07/29Abend am Ruwnasee (Klick=Postkarte senden)
Das Gästbuch war nicht mehr erreichbar. Ich habe den Server dafür gewechselt. Es war ein wenig mühsam, denn ich wollte einen kostenlosen Webserver ohne Werbung, auf dem eigene cgi-Skripten erlaubt sind. Schließlich bin ich bei www.hpcenter.de fündig geworden.

2000/07/28
Hier im Südosten des Landes gibt es neun Camps für Flüchtlinge aus Burundi und dem Kongo - insgesamt etwa 450.000 Menschen. Es ist ein Elend. Wegen Geldmangel ist nun angekündigt, die Lebensmittelrationen für die Flüchtlinge zu kürzen. Das hat schon zu einigen Aufständen in den Lagern geführt. Auch die einheimische Bevölkerung hat nur geringe Vorräte. Ein Sprichwort unseres Volkes sagt: “Debe tupu haliachi kuvuma”, deutsch: “Ein leerer Topf macht den grössten Lärm”. In der benachbarten Kigoma-Region ist das Verhältnis zwischen Flüchtlingen und Einheimischen sehr angespannt. Besorgnis erregen auch die verschiedenen Rebellenarmeen, die von den Lagern aus operieren. Die Aufmerksamkeit der Welt für die Probleme in unserer Region ist vor einigen Jahren sehr groß gewesen. Damals war offener Krieg in Ruanda. Bis heute ist die Krise nicht beendet. Die Lager wachsen, monatlich um etwa 1000 Menschen. Nachrichten in englischer Sprache aus meinem Land findet man bei: http://www.africanews.org/east/tanzania/. Wer Swahili versteht, liest besser http://www.africaonline.co.tz/AfricaOnline/rai/header33.html. Für die Sprache unseres Landes gibt es auch ein Online-Wörterbuch: http://www.yale.edu/swahili/.
Am Ruwnasee (Klick=Postkarte senden) 

2000/07/27
 Ich wurde von einem Boten aus meiner Sprechstunde zu einer Entbindung in das Dorf Sandawe am anderen Ufer des Sees gerufen. Die schnellste Verbindung führt zu dieser Jahreszeit über das Wasser. Am Ufer des Ruwna gibt es stets ein Boot zu mieten. Die Überfahrt dauert etwa 1,5 Stunde. Während dessen ist man ohne Schutz dem Regen ausgesetzt.  Dank Gott, Mutter und Kind sind gesund.

 

2000/07/25Fischer am Ruwnasee (Klick=Postkarte senden)
Es ist Regenzeit. Die Temperaturen liegen bei mäßigen 20°. Der Himmel ist seit mehreren Wochen von einer bleiernen Wolkendecke verhangen. Die meisten Straßen sind unpassierbar. Die Zahl der Patienten, die in mein Haus kommen, ist nur halb so groß wie sonst, obwohl gerade jetzt hierzulande die Anzahl der Erkrankten am höchsten ist - aber die Patienten sind nicht in der Lage den anstrengenden Weg zu bewältigen. Umgekehrt ist der Arzt auch oft nicht in der Lage die Patienten in den entfernteren Dörfern zu erreichen. Um meinerseits das Mindeste zu tun, werde ich morgen, wie jede Woche einmal, in das 20 km entfernte Kwadi fahren und meine Sprechstunde im Laden eines Verwandten meiner Frau abhalten.

Den heutigen Abend verbringe ich bei Freunden. Wir debattieren und politisieren - wir beginnen mit den Forderungen der Rebellenbewegung und landen am Ende bei dem Absturz der Concorde. Immer gegenwärtig ist uns ein Sprichwortes unseres Volkes “Jiwe moja halishiki chungu.” (deutsch: Auf einem Bein kann man nicht stehen)

2000/07/24
Ich danke den Hinweisen meiner weltweiten Freunde für die Verbesserung mancher Fehler auf diesen Seiten.

2000/07/23
Ich habe jetzt einen Internetzugang, für 600 Moru im Monat - etwa 20 DM, aber der Jahreslohn eines Tagelöhners. Ich habe Beziehungen ausgenutzt, um den zweiten Telefonanschluß in meinem Haus zu erhalten. Ein Telefon benötigt ein Arzt, aber warum zwei? Andererseits gestattet  meine Pflicht mir nicht, die Telefonleitung, über die Patienten mich rufen könnten, über Stunden für meine Internet-Bedürfnisse zu belegen.
Nun, jetzt bin ich da, jetzt bleibe ich dran.

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